Fab Region Bergisch/(Fast) Fashion Journal
Übersicht
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| Thema | Fast Fashion & Nachhaltiger Kleidungskonsum |
|---|---|
| Format | Workshop |
| Zielgruppe | Jugendliche ab 15 – 16 Jahren, in Schulklassen oder außerschulischen Peer Groups |
| Teilnehmeranzahl | Min. 5 – Max. 20 (bei größeren Gruppen mit (Lehr)person als Unterstützung) |
| Zeitrahmen | 60 – 120 min (abhängig von der Gruppe) |
| Voraussetzungen | Keine, der Workshop ist niedrigschwellig konzipiert und setzt kein Vorwissen voraus |
| Tags | Fast Fashion, Circular Economy, Nachhaltiger Konsum, Kreativität, Journaling, BNE (Bildung für nachhaltige Entwicklung), Jugendliche, Second Hand, Suffizienz, R2 Rethink, R3 Reduce, R4 Reuse |
Kurzbeschreibung
[edit | edit source]Das Fashion Journal ist ein kreatives Workshop-Format, das einen niedrigschwelligen Zugang zum Thema Fast Fashion und nachhaltigem Kleidungskonsum schafft. Im Mittelpunkt steht die Gestaltung eines eigenen Junk Journals aus Materialien, die sonst als Abfall gelten würden. Kreislaufwirtschaft wird so direkt erlebt und gestaltet und stellt dabei einen Zugang zu Identität, Konsumpsychologie und Selbstreflexion dar. Als Teil der Fab Region schließt es eine bisher wenig bespielte Lücke: die Verbindung zwischen Kreislaufwirtschaft, Kunst und kreativen Zugängen zur Zivilgesellschaft. Es lädt Jugendliche ein, das eigene Konsumverhalten zu reflektieren, ohne erhobenen Zeigefinger, sondern durch kreative Selbstermächtigung.
FAB-Kriterien
[edit | edit source]- Multidisziplinäre Lerninhalte: Verbindet Nachhaltigkeit, Konsumpsychologie, Kreativität und gesellschaftliche Zusammenhänge der Textilindustrie
- Integration praktischer Lernelemente: Gestaltung eines eigenen Journals, haptische Auseinandersetzung mit Kleidung, Tools wie Konsum-Check und 30-Wear-Tracker
- Bezug zu lokalen Herausforderungen: Reflexion des eigenen Konsums im lokalen Alltag, Einbindung regionaler Second-Hand- und Repair-Angebote
- Ermöglichung kollaborativen Lernens: Austausch über Konsumverhalten in Kleingruppen, gegenseitige Inspiration bei kreativen Lösungen
- Entwicklung neuer Fertigkeiten: Reflexionskompetenz, kreative Gestaltung, kritisches Denken gegenüber Trends und Werbung
- Beitrag zur Veränderung von Denkweisen und sozialen Praktiken: Zentraler Kern des Formats – Hinterfragen von Konsummustern, Entwicklung individueller Handlungsstrategien
- Befähigung lokaler Gemeinschaften: Jugendliche werden befähigt, ihr Verhalten aktiv zu reflektieren und Impulse ins soziale Umfeld (Freunde, Familie, Schulgemeinschaft) weiterzutragen
- Aufbau von Netzwerken: Anschlussfähig an lokale Akteure wie Second-Hand-Läden, NGOs und bestehende Projekte (z.B. Textilwerkstatt)
Motivation
[edit | edit source]Fast Fashion zählt zu den ressourcenintensivsten Konsumphänomenen unserer Zeit: steigende Textilabfälle, globale Lieferketten unter ausbeuterischen Bedingungen und ein Überkonsum, der planetare Grenzen überschreitet. Gleichzeitig spielt Kleidung für Jugendliche eine zentrale soziale und emotionale Rolle. Bestehende Bildungsangebote reagieren darauf meist mit Belehrung. Das Fashion Journal setzt auf Kreativität und Selbstreflexion – und befähigt Jugendliche, nachhaltigere Entscheidungen als echte eigene Wahl zu treffen.
Lernziele
[edit | edit source]Sachebene
[edit | edit source]Teilnehmende verstehen grundlegende Zusammenhänge der Fast-Fashion-Industrie, von globalen Lieferketten und deren ökologischen sowie sozialen Auswirkungen bis hin zu Alternativen wie Second Hand, Reparatur und bewusstem Konsum. Sie entwickeln ein Verständnis für Suffizienz als Konsumprinzip und lernen, Kleidung als Teil eines Kreislaufsystems zu betrachten.
Methodenkompetenz
[edit | edit source]Teilnehmende nutzen Journaling als strukturierte Reflexionsmethode und wenden konkrete Entscheidungs-Tools an, darunter den Konsum-Check und den 30-Wear-Tracker. Sie analysieren ihr eigenes Konsumverhalten anhand von Leitfragen und entwickeln daraus individuelle Handlungsstrategien.
Sozialkompetenz
[edit | edit source]Teilnehmende reflektieren ihre eigenen Werte, Motive und Emotionen rund um Kleidungskonsum. Sie tauschen sich in der Gruppe über persönliche Erfahrungen aus, bezogen auf Fehlkäufe, Lieblingstücke und Konsummuster und entwickeln so Verständnis für unterschiedliche Perspektiven und soziale Hintergründe. Der kreative Prozess fördert intrinsische Motivation und Eigenverantwortung.
Nachhaltigkeitsebene
[edit | edit source]Teilnehmende erkennen Zusammenhänge zwischen individuellem Kleidungskonsum und globalen Auswirkungen im Sinne der Planetary Boundaries. Sie entwickeln ein praktisches Verständnis von Kreislaufwirtschaft und Circular Economy und übertragen nachhaltige Prinzipien, insbesondere Suffizienz und Prosumption, auf ihren Alltag.
Adressierte R-Strategien: R2 Rethink, R3 Reduce, R4 Reuse.
Adressierte SDGs: 4 Quality Education, 12 Responsible Consumption and Production
Materialien & Ausstattung
[edit | edit source]Werkzeuge & Maschinen
[edit | edit source]- Schere (Papierschere hier vorrangig, Stoffschere als Ergänzung)
- Tacker (zum Heften selbst gefalteter Journalseiten)
Verbrauchsmaterialien
[edit | edit source]- Alte Zeitschriften, Papierabfälle, Verpackungsmaterial
- Kleber
- Aussortierte Kleidung und Stoffreste (als Materialquelle für Schnipsel und Collagen)
- Stoffproben und Modeausschnitte (aufgebaut als wiederverwendbare Materialsammlung in einer Kiste)
- Aufkleber, Stifte, Dekomaterialien zum Gestalten
- Leere Schulhefte oder Notizbücher (als Alternative zum selbst gefalteten Journal)
- Fashion Journal (12 Seiten A4 + Ein “Stickerbogen” zum Ausschneiden)
Methodik und Didaktik
[edit | edit source]- Problembasiertes Lernen: Einstieg über offene, persönliche Fragen ohne vorgegebene Lösungen („Warum kaufe ich Kleidung?")
- Learning by Doing / Peer-to-Peer Learning: Gestaltung des eigenen Journals, gegenseitige Inspiration innerhalb der Gruppe
- Design Thinking (vereinfacht): Verstehen des eigenen Verhaltens → Reflektieren von Bedürfnissen und Motiven → Entwickeln individueller Konsumstrategien
- Gamification: 30-Wear-Challenge, Konsum-Check als spielerisches Entscheidungstool, kreative Aufgaben wie Collage und Visualisierung
- Feedback-Loops: Gruppenaustausch, Reflexion von Erkenntnissen, Entwicklung persönlicher Regeln
- Umgang mit schwierigen Situationen, denn Kleidung ist verbunden mit der eigenen Identität und kann dementsprechend triggern:
- Armut
- Gruppenzwang
- Körperbild
- Ausgrenzung
Daher ist es elementar folgendes im Workshop zu beachten:
- Keine Bewertung von Marken und Konsum
- Keine Bloßstellung
- Freiwillige Beteiligung
- Anerkennung von unterschiedlichen finanziellen Möglichkeiten
Optional ist der Workshop erweiterbar um: Hands-on Prototyping (z.B. Upcycling) und World Café bei größeren Gruppen.
Ablauf (70 – 120 Min.)
[edit | edit source]Phase 1: Einstieg & Aktivierung (ca. 10 – 15 Min.)
[edit | edit source]Niedrigschwelliger Einstieg ins Thema über persönliche Schätzfragen zum eigenen Kleiderschrank und kurze visuelle Impulse zur Fast-Fashion-Industrie. Ziel ist es, persönliche Betroffenheit zu erzeugen und die Gruppe zu aktivieren, allerdfings ohne Belehrung, sondern über das Wecken von Neugier und Selbstbezug. Der Einstieg ist immer gleich und bildet die feste Grundlage jeder Durchführung.
Phase 2: Erstellung des Fashion Journals (ca. 20 – 30 Min.)
[edit | edit source]Teilnehmende gestalten ihr eigenes Journal, entweder aus Papierabfällen, alten Zeitschriften und Stoffresten selbst gefaltet und getackert, oder auf Basis eines leeren Schulhefts weitergestaltet. Druckvorlagen mit Titelseite, Kapitelvorschlägen und Tracker-Seiten stehen zur Verfügung und können genutzt, ausgeschnitten und eingeklebt werden. Ziel ist Identifikation und Ownership: Das Journal soll sich von Beginn an wie etwas Eigenes anfühlen.
Phase 3: Selbstreflexion (ca. 20 – 40 Min.)
[edit | edit source]Kernphase des Workshops. Teilnehmende bearbeiten zentrale Leitfragen im Journal:
- Warum kaufe ich Kleidung?
- Was trage ich wirklich?
- Lieblingsstücke vs. Fehlkäufe
Unterstützt durch visuelle Elemente und Leitfragen aus den Druckvorlagen. Der Kreativprozess bleibt dabei bewusst offen: Collage, Zeichnung, Liniendiagramme oder strukturierte Listen, alle Ausdrucksformen sind gleichwertig. Niemand soll sich durch den Vergleich mit anderen unter Druck gesetzt fühlen. Die Workshopleitenden begleiten die Gruppe moderierend, gibt individuelle Impulse und bringt punktuell inhaltliche Informationen zur Fast-Fashion-Industrie ein. So soll Wissensvermittlung im Selbermachen entstehen.
Phase 4: Lösungsraum & Inspiration (ca. 10 – 20 Min.)
[edit | edit source]Vorstellung nachhaltiger Alternativen zum Fast-Fashion-Konsum: Second Hand, Reparatur, bewussterer Konsum, Kleidertausch. Reflexion in der Gruppe: Was passt zu mir? Was ist in meinem Umfeld zugänglich? Auswahl individueller Handlungsoptionen. Wichtig: Die Alternativen werden nicht als Pflicht präsentiert, sondern als echte Möglichkeiten, angepasst an die jeweilige Lebenssituation der Gruppe. Dabei ist es sinnvoll auf regionale Initiativen aufmerksam zu machen.
Phase 5: Transfer & Verstetigung (ca. 10 –15 Min.)
[edit | edit source]Einführung in die wiederkehrenden Journal-Seiten, die über den Workshop hinaus genutzt werden sollen:
- Konsum-Check: Strukturierte Entscheidungshilfe vor dem nächsten Kauf
- 30-Wear-Tracker: Dokumentation, wie oft ein Kleidungsstück tatsächlich getragen wird
Teilnehmende entwickeln eine persönliche Challenge oder Regel für ihren Alltag, der sogenannte Call-to-Action. Ziel ist, dass das Journal nicht in der Ecke landet, sondern als lebendiges Werkzeug weitergeführt wird und den Impuls zur Auseinandersetzung mit dem eigenen Konsumverhalten im Alltag verankert.
Evaluation
[edit | edit source]Das Format befindet sich aktuell noch in der Erprobungsphase. Eine formalisierte Evaluation mit ausgearbeitetem Fragebogen existiert noch nicht. Die bisherige Rückmeldung erfolgt am Ende jedes Workshops über eine offene Gesprächsrunde mit der Gruppe:
- Lightning-Runde (qualitativ): Abschlussfrage in die Runde – „Wie geht es euch jetzt damit, wie fandet ihr das?" – niedrigschwellig, ohne vorgegebene Kategorien
- Ergebnisdokumentation über Fotos des entstandenen Journals als visuelle Erfolgsdokumentation
Erfahrungen und Learnings
[edit | edit source]Aus den bisherigen Durchführungen haben sich folgende Erkenntnisse ergeben:
Was funktioniert gut
[edit | edit source]- Der kreative Zugang über das Journal senkt die Hemmschwelle deutlich – Jugendliche lassen sich auf das Thema ein, ohne das Gefühl zu haben, belehrt zu werden
- Der offene Gestaltungsprozess erzeugt intrinsische Motivation: Teilnehmende entwickeln das Gefühl, etwas selbst erarbeitet zu haben, was die Bereitschaft zur weiteren Auseinandersetzung erhöht
- Das Thema Mode und Kleidungskonsum wird in der Gruppe überraschend offen kommuniziert, gleichzeitig werden auch persönliche und soziale Dimensionen (z.B. Kleidung als Mittel zur Selbstdarstellung oder zur Maskierung finanzieller Einschränkungen) angesprochen
Herausforderungen
[edit | edit source]- Die Ansprache muss sensibel an die jeweilige Gruppe angepasst werden. Insbesondere bei Jugendlichen mit eingeschränktem Zugang zu nachhaltigeren Alternativen (z.B. finanziell) darf das Format nie den Eindruck erwecken, Fast-Fashion-Konsum zu verurteilen oder Schuld zuzuweisen. Die Balance zwischen Bewusstsein schaffen und Empowerment ist entscheidend
- Unterschiedliche Schulformen und soziale Hintergründe erfordern eine flexible Anpassung des Formats, sowohl in der Sprache als auch in den vorgestellten Alternativen
- Der Übergang von kognitiver Einsicht zu tatsächlicher Verhaltensänderung bleibt eine offene Herausforderung: Ob das Format langfristig etwas bewirkt, lässt sich im Rahmen eines einzelnen Workshops schwer messen
Relevanz und gesellschaftliche Wirkung – Meta Ebene
[edit | edit source]Das Fashion Journal erzeugt keinen einmaligen Wissenstransfer, sondern einen nachhaltigen Reflexionsimpuls: Teilnehmende gehen mit einem selbst gestalteten Werkzeug nach Hause, das zur kontinuierlichen Auseinandersetzung mit dem eigenen Konsumverhalten einlädt. Langfristig trägt das Format zum Reframing von Second Hand bei, weg vom Stigma, hin zur bewussten Entscheidung, und befähigt Jugendliche, Impulse ins soziale Umfeld weiterzutragen. Für Ausrichtende schärft es den Blick für die Schnittstelle zwischen Kreislaufwirtschaft, Kreativität und Jugendbildung.
Gleichzeitig passt das Format hervorragend in ein FAB- beziehungsweise Maker-Umfeld, da es kreatives Arbeiten, Selbstwirksamkeit durch eigene Gestaltung und eine “Umdeutung” von Abfall fördert und gleichzeitig Making mit Reflexion verbindet.
Kontaktdaten
[edit | edit source]Gründerschmiede Remscheid e.V.
Hindenburgstraße 6a-10a
42853 Remscheid
Nicole Haas
Info@gruenderschmiede.org
| Authors | Niklas Bohle |
|---|---|
| License | CC-BY-SA-4.0 |
| Organizations | Fab City Network |
| Cite as | Niklas Bohle (2026). "Fab Region Bergisch/(Fast) Fashion Journal". Appropedia. Retrieved Juni 24, 2026. |